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Nur knapp 30 km südwestlich von Edinburgh liegt West Linton, dessen Name aus dem (Angel-)sächsischen stammt. Dabei kann man „Lin" am ehesten mit „Wasser" übersetzten und somit einen Bezug zum nahegelegenen Fluss herstellen, der sich hier durch ein trockengelegtes Sumpfgebiet schlängelt. Der Begriff „ton" wiederum bedeutet „Town" also Stadt oder Siedlung. Sieht man nun beide Wörter im Zusammenhang, so ergibt sich „Town near the water" – „Stadt am Wasser".

Der Ort hieß nicht von Anfang an West Linton, denn im 12. Jh. war er als „Linton Roderyck" geläufig, benannt nach dem obersten Herrscher der Region „Roderyck the Liberal", der ebenso unter der weitverbreiteten Bezeichnung „King of Strathclyde" bekannt war.

Geschichtlich gesehen fristet der Ort ein Schattendasein. Bei aller Suche lässt sich schlichtweg keine Spur finden, um sie mit diesem Ort in Verbindung zu bringen, was indes nicht bedeutet, dass die Gegend völlig unbesiedelt war. Es gibt zahlreiche Funde, die eine menschliche Besiedelung über die vergangenen Jahrhunderte hinweg belegen.

So fand man in den umliegenden Hügeln die Überreste eines eisenzeitlichen Fort oder im West Water Resort entdeckte man bei Trockenlegungsarbeiten in einem Grab z.B. Steintruhen aus der Bronzezeit. Diese brachte man anschließend auf das Gelände des örtlichen Golfplatzes, um sie dort für die Nachwelt zu bewahren. Hier kann man sich auf Schautafeln über den Stand der Restaurierungsarbeiten auf dem Laufenden halten und bekommt somit Informationen zu dieser faszinierenden Tätigkeit. Die weiteren Funde aus dem Grab kann der interessierte Besucher im National Museum of Scotland in Edinburgh bewundern. Zu diesen Fundstücken gehören unter anderem gut erhaltene Gefäße, eine Halskette aus Kennel-Kohle (Steinkohle) oder die Bruchstücke eines sehr außergewöhnlichen Colliers aus Blei.

Wie erwähnt, spielte die Gemeinde eigentlich keine Rolle in der Geschichte Schottlands, jedoch so völlig ohne namhafte Personen geht es dann trotzdem nicht. Man sagt, dass King Edward I von England 1298 auf seinem Weg nach Ayr durch das Dorf ritt. Ebenso kamen Sir John Comyn und Sir Simon Fraser aus Neidpath auf ihrem Weg zur Schlacht in Roslin 1302 hier vorbei. Die am 6.4.1320 in der Arbroath Abbey unterschriebene Declaration of Arbroath (die schottische Unabhängigkeitserklärung) wurde – soweit überliefert – von Bernard of Linton, dem in Linton geborenen Abt des Klosters, verfasst. Somit kann man sagen, dass der Ort also doch eine bescheidene Rolle in der Geschichte Schottlands spielte, auch wenn es dabei lediglich darum ging, dass die Unabhängigkeit von England durch ein Schriftstück besiegelt wurde, welches ein Sohn der Stadt niederschrieb.

Ein Gebäude in Linton möchten wir allerdings schon ein wenig mehr in den Fokus rücken. Brig House (das heutige Medwyn House) gehörte einst James Wedderspuine, der gemeinsam mit weiteren Angeklagten für den Mord an David Rizzo – dem Sekretär von Mary Queen of Scots – verurteilt wurde. Dieses Haus beherbergte so große Namen, wie Charles X von Frankreich (kam in der Zeit seines Exils zum Jagen hierher) oder Robert Burns, den bedeutendsten Schriftsteller des Landes.

1631 erhielt der Ort Stadtrechte und somit die Befugnis, sowohl Märkte als auch Volksfeste abzuhalten. Anfangs veranstaltete man diese auf der Dorfwiese, zu einem späteren Zeitpunkt – weil immer mehr Händler sowie Schausteller kamen – auf dem Gelände des Brig House. Bei den Viehmärkten wurden jährlich viele tausend Rinder und weit über 30.000 Linton-Schafe verkauft. Linton-Schafe, sie werden auch Blackface Sheep genannt, erkennt man an ihren schwarzen Gesichtern sowie Klauen und der groben, dichten Wolle. Man schätzt sie zudem wegen ihrer Widerstandskraft und dem leicht süßlichen Fleisch.

Den maßgeblichsten Geschäftszweig des 19. Jh. stellte die Weberei dar – zu dieser Zeit arbeiteten mehr als 50 Weber in der Stadt. Ebenso produzierte man in Linton Bier, das in der Umgebung äußerst beliebte, aber auch kräftige Linton Brew. Außerdem besaß die Stadt eine Gerberei, aus der das Leder stammte, für die weithin bekannten Schuhe oder Stiefel, die durch die hiesigen Schuster in hochwertiger Handarbeit gefertigt wurden.

Der Übergang vom 19. in das 20. Jh. führte zu gewaltigen Veränderungen, denn die Einführung von Postbezirken brachte es mit sich, dass man dem Städtenamen ein „West" voransetzte, um sich von dem Ort Linton in East Lothian zu differenzieren.

Andere Neuerungen waren Mautstraßen, Frischwasserleitungen sowie ein Abwassersystem. Am Rand des Ortes errichtete man ein kleines Gaswerk, welches neben der Straßenbeleuchtung ebenso die Häuser einiger Auserwählter mit Gas für Licht versorgte. Darüber hinaus erreichte die Bahn West Linton – und mit ihr kam der erste Tourismus. Um die ständig steigende Zahl der Besucher zu beherbergen, baute man jene Gebäude, die man noch heute entlang der Hauptstraße sehen kann. Weitere Bauwerke kamen Mitte des 20. Jh. hinzu, da sich die Bevölkerungszahl zwischenzeitlich nahezu verdoppelt hatte.

st andrews church west lintonst mungos churchHauptattraktion des kleinen Ortes ist mit Abstand wohl die St Andrew's Church aus dem Jahre 1781. Das echte Kleinod versteckt sich ein wenig schüchtern hinter Bäumen, was dazu führt, dass viele Besucher die herrliche Kirche übersehen.

Eine weitere Kirche im Ort ist die St Mungo's Church aus dem Jahre 1851. Sie ist tatsächlich leicht zu übersehen, den sie liegt etwas versteckt am Ufer des Flusses Lyne Water.

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