st kilda

Die Inselgruppe St Kilda liegt etwas 65 km westlich von Harris und hat eine Gesamtfläche von nur etwa 8,5 km². Sie ist nicht nur die abgelegenste Inselgruppe Großbritanniens, sondern auch das einzige Gebiet mit Doppelstatus, denn sie gehört sowohl zum Weltnaturerbe als auch zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die heute unbewohnten Insel werden vom National Trust verwaltet und können besucht werden.

Erstmalig tauchte der Name St Kilda im Jahre 1666 auf einer niederländischen Landkarte auf, wobei die damaligen Bewohner jedoch die Namen der einzelnen Inseln benutzten. Die Hauptinsel Hirta wurde von den Bewohnern wie Kilda ausgesprochen, was wohl der Grund für die Namensgebung der Inselgruppe war. Zwar geht eine andere Theorie davon aus, dass der Name vom heiligen Kilda abstammt, doch ist diese Variante eher unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist die Ableitung aus dem altnorwegischen Skildir, was so viel wie Schäfer bedeutet.

In der Tat haben Funde belegt, dass hier einst die Wikinger an Land gingen, was schon eine enorme Leistung war, denn bis zur Einführung der Dampfschiffe im 19. Jh. war die Reise über die offene See sehr beschwerlich. Selbst heute ist die Landung bei rauer See noch immer ein Abenteuer.

Die rund 100 Bewohner vom Hirta entwickelten eine im europäischen Raum einzigartige Lebens- und Wirtschaftsform, die auf dem Fang von Seevögeln, die in riesigen Kolonien auf den Felsen von St Kilda brüten, und dem Sammeln von Eiern in den Klippen der Inseln beruhte. Daneben wurde Schafzucht betrieben. Der Fischfang hatte aufgrund fehlender Boote und des rauen Klimas keine Bedeutung. Die Bevölkerung lebte in weitgehender Isolation. Das Leben fernab der Zivilisation konnte nur in kollektiver Anstrengung gemeistert werden. Es gab zahlreiche Parallelen zum Leben von Naturvölkern.

Früher war die gesamte Inselgruppe Eigentum des Clan Chief der MacLeod of MacLeods. Er sandte jährlich einen Abgesandten zu den Inseln, um Naturalabgaben und Handelsware entgegen zu nehmen. Im Gegenzug brachte der Abgesandte beim nächsten Besuch die erbetenen Waren und den Verkaufserlös wieder mit. Faszinierend daran war, dass eine Form der Geldwirtschaft dadurch weitgehend unbekannt war bei den Insulanern.

Auf den Inseln blieb die Zeit bis zum 19. Jh. eigentlich stehen. Dann kam der erste Tourismus auf und viele junge Männer wanderten ab, um bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Familien zu finden. Doch die Bevölkerung nahm nicht nur durch die „Auswanderer" ab, sondern auch durch eine außergewöhnlich hohe Säuglingssterblichkeit.

Obwohl die Säuglingssterblichkeit im 19. Jh. ganz allgemein weit höher war als heute, war sie in St Kilda selbst für damalige Verhältnisse hoch. So starben 41 der 56 Kinder (73%), die zwischen 1855 und 1876 geboren wurden, noch im Kindesalter, die meisten davon an Tetanus.

Der erste, der nach einer wissenschaftlichen Erklärung hierfür suchte, war der Geistliche Reverend Angus Fiddes. Er studierte die traditionellen Geburtsrituale von St Kilda und entdeckte, dass diese in einem wichtigen Punkt vom übrigen Schottland abwichen.

Im übrigen Schottland wurde die Nabelschnur nach dem Durchtrennen mit Öl, salziger Butter oder Fett abgerieben. In St Kilda verwendete man aus Mangel das ölige Sekret des Eissturmvogels. Die Hebamme von St Kilda bewahrte das Sekret jahrelang im Magen eines Basstölpels auf, der nie gereinigt wurde. Auf diese Weise wurden die Erreger übertragen.
1890 wandte sich Reverend Fiddes an Joseph Lister von der Universität Glasgow. Lister hatte damals die Desinfektion mittels Karbolsäure entwickelt, was ihm den Titel „Vater der antiseptischen Chirurgie" eintrug. Mit Hilfe von Krankenschwestern, die in den Methoden Lister's geschult waren, konnte Reverend Fiddes die Hebamme überzeugen, ihren Basstölpelmagen wegzuwerfen. Der letzte Fall von Neugeborenentetanus trat am 18. August 1891 auf.

Die Bevölkerungszahl von St Kilda war zu diesem Zeitpunkt schon zu niedrig für ein stabiles Fortbestehen. So endete die Siedlungsgeschichte der Inselgruppe am 29. August 1930 mit der Evakuierung der letzten 35 Bewohner. Die Inseln durften seitdem nicht wieder besiedelt werden.

1957 vererbte John Crichton-Stuart, der 5. Marquess of Bute, das Archipel an den National Trust. Ein kleiner Teil wurde später den britischen Streitkräften übergeben, die dort eine Radarstation betreiben. Der Trust ist verantwortlich für den dauerhaften Erhalt der Inseln, die Bewahrung ihres kulturellen Erbes, ihrer Landschaften und ihres Naturerbes. 1986 erhielt die Inselgruppe den Status eines UNESCO-Weltnaturerbes, das später auf die umliegende Meeresregion ausgedehnt wurde. 2003 wurde darüber hinaus St Kilda zum Weltkulturerbe erklärt, sodass St Kilda eines der wenigen Gebiete auf der Erde mit doppeltem Schutzstatus ist.

Adresse

Koordinaten

Öffnungszeiten

 

N 57°50'22.68"
57.839634

W 8°33'50.04"
-8.563900

   

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