st boswells leiste
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Am südlichen Ufer des River Tweed liegt das verschlafene, knapp 1.100 Bewohner zählende Kleinstädtchen St Boswells. Es gehört zum Verwaltungsbereich „Eildon" in den „Scottish Borders", ist über die A68 erreichbar und lediglich 1,5 km südöstlich von Newtown St Boswells entfernt – wie der Name schon sagt, die neue Ansiedlung St Boswells.

Was der Mensch zum Leben braucht, findet er – Bäcker, Postfiliale, Metzger, Fish 'n' Chip-Shop sowie Café sind ebenso vertreten, wie der obligatorische Golfplatz und ein Rugby-Verein. Somit hat man sämtliche Dinge, die es lohnenswert machen hier zu wohnen. Augenblick mal, da fehlt doch noch eine Kleinigkeit- genau, ein Pub! Selbstverständlich gibt es auch dieses in dem kleinen Örtchen St Boswells.

Geläufig dürfte das Dorf all denjenigen sein, die schon auf dem St Cuthbert's Way wanderten oder dieses planen, denn dann kommt man unweigerlich durch St Boswells. Dieser Wanderweg verbindet Melrose mit Lindisfarne auf Holy Island in England und zählt mit seinen mehr als 100 km zu den beliebten Weitwanderwegen Schottlands. Den Namen hat der Ort im Übrigen im Gedenken an einen Abt, der einst in Melrose lebte – dem heiligen Boisil. Auch der Namensgeber des Wanderweges, der spätere heilige Cuthbert, war dort als Bischof tätig und wurde nach seinem Tod auf Holy Island beigesetzt.

Wer einmal echten Trubel in diesem sonst so idyllischen Dorf erleben möchte, der besucht St Boswells am besten am 18. Juli – an diesem Tag findet das jährliche Volksfest statt. Ursprünglich trafen sich an diesem Tag Zigeuner (die wir heute politisch korrekt natürlich Sinti und Roma nennen würden, in der „grauen Vorzeit", um die es hier geht, gab es diese Benennung aber noch nicht) und handelten mit Vieh – heute ist es indes ein ausgelassenes Stadtfest sowie ein Jahrmarkt, auf dem die Einheimischen ihre Handwerkskunst veräußern.

Die Region um den Ort besitzt eine lange Geschichte, denn schon vor 2.000 Jahren kamen die Römer bei ihrem Versuch, ihr Territorium in nördlicher Richtung auszuweiten hierher. Sie fanden weitläufige, durch Rotwild nebst Bären bewohnte, Moore sowie Sümpfe vor und die ebenso vorhandenen Wälder ermöglichten es ihnen, ihre Siedlungen zu errichten. Auch „Einheimische" waren hierzulande ansässig – überall gab es spärliche Ansiedlungen heidnischer Kelten, die sich an den reichen Lachsvorkommen der Gegend bedienten sowie mit Jagen und Ansätzen von Ackerbau ihren Lebensunterhalt bestritten.

Da die Römer nun ihre Straßen und Dörfer errichteten, kam es unweigerlich immer wieder zu Scharmützeln zwischen den Eindringlingen und den ursprünglichen Bewohnern. So kam, was kommen musste, die Römer zogen sich zurück, da sie die Lage einfach nicht unter Kontrolle bringen konnten. Grund dafür dürfte gewesen sein, dass sie schlichtweg nicht auf dem geeigneten Untergrund kämpften – wie sollte man auf Moor oder in Sümpfen diese allseits bekannten römischen Kampfformationen bewerkstelligen?

Mit dem Weggang der Störenfriede startete die Region so richtig durch. Es kam sowohl zu Kämpfen als auch Eheschließungen zwischen den Stämmen und der rege Handel untereinander blühte auf. Es begann förmlich eine Vermischung zu einem Gefüge, welches man als „Ganzes" bezeichnen konnte. Bedauerlicherweise wurde die selbständige Entwicklung gebremst, als die Gegend unter die Kontrolle der englischen Krone von Northumbria kam.

Im 7. Jh. regierte der Heide Oswald dieses Königreich, der nach seiner Konvertierung zum Christentum auf Holy Island ein Kloster gründete. Damit war der Grundstein für erneute Änderungen entlang des River Tweed gelegt. Mönche folgten ihm hinauf in Richtung des heutigen St Boswells und etablierten eine Klostergemeinschaft bei Old Mailors. Von dort aus besiedelten die Ordensbrüder nun die gesamte Region – einer dieser Klosterbrüder war der zuvor genannte heilige Boisil, der Namensgeber des Dorfes sowie der Kirchengemeinde St Boswells. Zu dem hier lebenden Boisil strömten schon bald die Menschen, die im Vorfeld von seinen heilenden Kräften erfahren hatten. Man stellte sich die Frage, warum wieder weggehen, wenn es doch viel leichter war, sich gleich in seiner Gegend niederzulassen? Schließlich wusste man nie, wann einen das nächste Zipperlein befallen sollte.

Jedoch war der heutige Ort noch nicht geboren, denn rasch bemerkte man, dass die umliegenden Quellen oftmals zu nassen Füßen führten. Man verlegte die eben entstehende Siedlung etwas höher hinauf nach Lessuden und somit dorthin, wo der Ort heutzutage liegt.

Lessuden war damals eine winzige Ansiedlung, die lediglich aus einer Straße – der derzeitigen Main Street von St Boswells – bestand. Parallel zu dieser Landstraße verlief ein Pfad entlang des Flusses, der durch schmale Fußwege mit dieser verbunden war. Bis heute erkennt man, dass damit einst das heutige Aussehen St Boswells festgelegt wurde und man kann also davon ausgehen, dass es 1544 schon so aussah. Zu jener Zeit machten die Truppen King Henry VIII unter dem Earl of Hertford die Abteien der Borders dem Erdboden gleich und richteten gewaltige Schäden im Ort an.

Diesen Verwüstungen fiel auch Lessudon House zum Opfer, das anschließend jedoch erneut aufgebaut wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Herrenhaus stand einmal die Gemeindekirche St Mary's Church, die man im 12. Jh., zur Herrschaftszeit von David I, errichtete. Die Kirchengemeinde wechselte allerdings über die Jahre hinweg in eine Kirche nahe der Kapelle des St Boisil bei Benrig, die nach diversen Umbauten und Reparaturen, für mehrere Jahrhunderte genutzt wurde. Erst 1952 riß man sie endgültig ab.

Von nun an versammelte sich die Gemeinde in der im Ortskern liegenden Kirche, die eine ereignisreiche Geschichte besitzt. Hier spaltete sich die Glaubensgemeinschaft 1843 – aufgrund theologischer Entfremdung – in zwei Gruppen auf – Pfarrer verließen die Church of Scotland und bildeten die Free Church. Anfangs traf man sich in einem Schuppen hinter der örtlichen Schmiede, doch nach einer gewissen Zeit errichtete man ein eigenes Gebäude. Erst die Wiedervereinigung der Konfessionen brachten beide Pfarrbezirke wieder in einem Gotteshaus zusammen. Oftmals änderte der Kirchenbau seither den Namen.

Das Leben im Dorf war zu Beginn von Landwirtschaft geprägt, über kurz oder lang kamen ebenso handwerkliche sowie Handelsberufe hinzu. Bald darauf fand man Bäcker, Schreiner und Metzger im Ort - schlicht gesagt alles, was man aus anderen Dorfgemeinschaften kennt – sogar Bestatter wie auch Banker ließen sich nieder.

Das 19. Jh. brachte St Boswells gewaltige Änderungen. In der Main Street beauftrage Lord Polwarth of Mertoun Handwerker, einen Brunnen zu bauen. Dies war das erste öffentliche Wasserversorgungssystem, das den Ort durch Bleirohre mit Wasser versorgte. 1912 ersetzte man die mit Paraffin gespeisten Straßenlaternen durch Gaslampen, welche schon 17 Jahre darauf der elektrischen Beleuchtungen weichen mussten. Jedoch so ganz verschwunden sind die vergangenen Zeiten nicht, denn noch heute kann man an der Stadthalle zwei Öllampen aus dem Jahre 1902 bewundern.

1836 riss man die alte Schule ab und errichtete am heutigen „Hamilton Place" einen Neubau, an dem auch John Smith, der Erbauer der Wallace Statue in Dryburgh, beteiligt war. Die Mertoun Bridge wurde erbaut und ersparte zukünftig den Bewohnern nasse Füße beim Durchqueren des Flusses an der alten Furt.

Mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl benötigte man neue Häuser und so entstanden die Sandsteinhäuser, die heute „West Croft" und „Jenny Moore's Road" bilden. 1896 eröffnete man die Stadthalle, die nicht nur für Gemeindeveranstaltungen, sondern ebenso als Stauraum für Dinge der Stadt und Ausrüstungsgegenstände der örtlichen Feuerwehr Verwendung fand.

Einen regelrechten Schub erlebte der Ort 1836 durch den Bau der Familie Kennel für den Anhang des Duke of Buccleuch. Die dort veranstalteten Jagden brachten viele neue Besucher, was zum Bau des Buccleuch Arms Hotel führte. Just in diesem Moment bewies der hiesige Schmied ein gutes Näschen und zog aus dem Osten der Siedlung an seinen heutigen Platz. Der Umzug sorgte nicht nur für räumliche Nähe zu dem Anwesen der Kennels sowie deren Stallungen, die irgendwann einmal gut und gerne über 50 Pferde beherbergten.

Eine weitere Einnahmequelle der Gemeinde stellten die umliegenden Straßen dar. Für die Nutzung der Verbindungen nach Melrose, Jedburgh sowie Kelso zahlte man Straßengebühr und noch heute kann man eine jener Mautstellen an der Mertoun Bridge entdecken.

Die größte Änderung brachte St Boswells indes der Bau der Eisenbahn im Jahre 1849 – mit den Schienen entstanden neue Jobs, wenngleich andere wegfielen. Hart hätte es die Henderson Brüder treffen können, denn schließlich betrieben sie bis zur Ankunft der Bahn einen Kutschservice für den Personen- sowie Gütertransport. Allerdings ermöglichte eine zusätzliche Neuerung es ihnen, die Kurve zu kriegen – mit dem Erwerb eines Ford T, dem ersten Auto der Gegend, wurden sie zur Attraktion. Von nun an beförderte man Reisende in einer pferdelosen Kutsche zum Bahnhof in Newtown. Zwar stellte man die Bahnlinie 1969 ein, doch es gibt Überlegungen, sie erneut aufleben zu lassen.

maxton parish churchEines sollte der Besucher St Boswells auf jeden Fall nicht unbeachtet lassen – den wunderschönen River Tweed. Mit seinem immensen Lachs- und Forellenbestand stellte er zu allen Zeiten einen wesentlichen Bestandteil des Ortes dar. Nicht zuletzt deshalb verdient er es, dass man ihn zumindest eines kurzen Blickes, wenn nicht gar durch ein kurzes Verweilen, würdigt. Unter Umständen bietet sich dazu eine Stippvisite in den Mertoun Gardens am östlich Stadtrand an. Die ca. 10 ha großen wunderbaren Gärten, die zu dem bedauerlicherweise nicht öffentlichen Mertoun House gehören, sind zweifelsohne immer einen Besuch wert. Auf dem Weg zu den Gärten empfiehlt sich ein Zwischenstopp an der Maxton Parish Church, einer kleinen Landkirche aus dem Jahre 1790.

dryburgh abbeyscotts viewAbsolute Hauptattraktion in der Region um St Boswells ist nichtsdestotrotz die beeindruckende Ruine der Dryburgh Abbey aus dem Jahre 1150. Der gotische Bau war einst das Heim der Weißen Kanoniker (Orden der Prämonstratenser) und zählt zu den vier Abbeys in den Borders.

Übrigens liegt hier der berühmte Schriftsteller Sir Walter Scott begraben, der früher gerne am nördlich liegenden Aussichtspunkt, dem nach ihm benannten Scott's View, verweilte.

bowden kirkBesucher von St Boswells, die in westlicher Richtung weiterfahren, sollten im Nachbarort Newton St Boswells die gleichnamige Kirche nicht verpassen. Die Newton Church wurde 1868 errichtet und ist ein recht ungewöhnlicher Kirchenbau aus rosafarbenem Sandstein. Einen kurzen Stopp sollte man ebenso an der Bowden Kirk aus dem Jahre 1128 einlegen. Die nette kleine Gemeindekirche gehörte einst zum Besitz der Kelso Abbey.

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